Früher nannte man die VW-Campingbullis auf der Basis von Westfalia-Einrichtung „Camping“ (bis Herbst 1993), „Joker“ oder „Club-Joker“, später dann „California“. Und heute lässt man auch die größeren Crafter-Varianten am jahrzehnte währenden California-Erfolg teilhaben und nennt sie daher Grand California.

„Tolles Auto haben Sie da“ murmelte der Bäcker aus Pottum als er draußen das schon beeindruckende Fahrzeug vor dem Schaufenster sah. Anschliessend reichte er die Tortenstücke auf dem Papptablett über die Theke.

„Den haben wir als Vorführfahrzeug von Auto Bach aus Limburg, ein Reisemobil direkt von Volkswagen mit 600 cm Aufbaulänge. Heute testen wir es mal 2-3 Stündchen …“ so die Antwort von Manfred Klee, der vom Club-Vizepräsidenten Hajo Ross bei dieser Probe-Fahrt begleitet wurde. Zwei, seit Jahrzehnten leidenschaftliche VW-Bus-Fahrer, die nun testhalber im großen Crafter von Volkswagen im Westerwald unterwegs waren. 

Hajo und Manfred von dem Grand California 600

Foto von Hajo und Manfred 

Warum? Weil herauszufinden war, weshalb der „T6.1 California-Bulli“ mit stolzen ca. 75.000€ und die wesentlich größere Variante „Grand California“ auf Crafter-Basis, um den es hier geht, bereits schon für um die 55.000€ gehandelt werden. Weshalb ist der Große preiswerter als der „Bulli“? Ist der Große eine Alternative zum Bulli?

Erster Eindruck im niegelnagelneuen Vorführfahrzeug: Der Handbremshebel senkt sich im gezogenen Zustand ab, sodass ein Drehen des Fahrersitzes ungestört möglich ist. Nicht schlecht. Anmerkung von Hajo: Es gibt aber auch elektrische Handbremsen.

Die hohe Sitzposition, ca. 40 cm höher wie im Bulli, ermöglicht eine optimale Übersicht nach vorne und seitlich, -man überblickt die PKW-Dächer im Limburger Verkehrsstau. Hochsitzfeeling.

Im Stau kommt auch das Stop-and-Go-System zum Einsatz. Je nach Druck auf das Bremspedal geht der Motor aus und startet dann später selbstständig wieder. Ok. Spart Sprit und schont die Umwelt

Bleiben wir mal bei der 2,0-l-TDI-Motorisierung, die dem Grand California ein etwas gequältes Geräusch entlockt und akustisch eine Untermotorisierung vorgaukelt. Doch weit gefehlt. Der Stau in Limburg löste sich auf und unser Testkandidat beschleunigte mit seiner 130 kW-Maschine bei 410 Nm erstaunlich munter in Richtung „Goldene Meile“. Auch berghoch: Flott.

Das 8-Gang-Automatik-Getriebe überträgt das hohe Drehmoment nahezu ohne Zugkraftunterbrechung auf die Räder. Beachtlich.

Unser Testwagen, der Grand California 600, weist mit seinen 2,97 m eine stattliche Gesamthöhe auf (Grand California 680 nur 2,84 m hoch). Er legt sich trotzdem erstaunlich ruhig in den Wind. Später erfahren wir, dass hierfür auch der Seitenwindassistent, der als Teilfunktion des elektronischen Stabilisierungsprogramms bei starkem böigen Seitenwind durch automatische Bremseingriffe an den Rädern verantwortlich ist. Prima.

Auf dem Beifahrersitz liest Hajo aus der Betriebsanleitung vor:                 Sensorbasierter Flankenschutz warnt vor Pfosten Mauern oder Fußgänger, Trailer Assist, das automatisches Rangieren mit Anhängern (das in der Werbung so einprägsam und witzig dargestellt wird), Blind Spot Sensor warnt beim rückwärtigen Ausparken akustisch und soll durch Bremseingriff Unfallfolgen verhindern, u.v.m. was auf der Optionsliste des Crafters stehen kann. 

Die Reifendruckkontrolle, die ebenfalls in unserem Test-California verbaut ist, verwirrt mit ihrer Vielzahl von Zahlen etwas die Tester, ist aber auf jeden Fall sicherheitsrelevant.

Bei der Testfahrt wurde das Ziel Wiesensee im Oberwesterwald erreicht. Auf dem dortigen, fantastisch gelegenen Wohnmobilstellplatz sollten die Kriterien „Wohnen/Schlafen/Kochen“ beurteilt werden. 

Das Damenteam stieß deshalb hinzu.

Während Frida (3) den gigantischen Stauraum im Heck, unterhalb des Querschläferbettes des 6 m langen Grand California okkupierte und als ideales Kinderversteck bezeichnete, machte sich ihre Großmutter Marina mit dem Gedanken vertraut quer zu schlafen. Durch seitliche Verbreiterungen ist es Volkswagen gelungen, quer eine Länge von 1,93 m zu schaffen. Geht also! Bei dem „Grand-grand“ California, der 6.80 m langen Version, schläft sich längs.

Die 0,82 m x 0,82 m große Naßzelle mit Toiletten-Revisionsklappe von außen ist das Herzstück des Wohngrundrisses. Funktionell gestaltet, hell, ausreichend dimensioniert. Klasse. 

Allerdings wird durch die Größe der Sanitärzelle das Platzangebot für die 2. Sitzreihe (hinter dem Fahrersitz) ziemlich eingeschränkt. Man kann sie eigentlich nur als Einzel- oder Notsitz bezeichnen. Der Tisch ist mit 1,16 m x 0,55 m groß dimensioniert, doch auch dadurch wird der Wohnbereich bei gedrehten Vordersitzen stark eingeschränkt. 

Für die Gasversorgung ist eine 2-Flaschenanlage für die Standheizung sowie Truma-Warmwasserbereitung verbaut. Prima.

Die Küchenkombination aus Gaskocher, Waschbecken und                             Kühl-/Gefrierkombination ist im Bereich der Schiebetür angeordnet und somit z.T. auch bei geöffneter Schiebetür auch von außen zu bedienen. Gute Idee.

VW Grand California 600 beim VWBC Koblenz

Gimmicks wie ein ausgeklügeltes Beleuchtungssystem mit LED-Bändern im Innenraum wie auch außerhalb der Fahrzeuges, eine zentrale Bedieneinheit mit Touchpad, USB-SteckdosenMoskitonetze und Plissees runden den durchweg positiven Gesamteindruck ab. 

Wie sagte der Bäcker so treffend: „Tolles Auto ……!“

Die eingangs gestellten Fragen „Warum ist der Große so preiswert?“ und        „Ist er eine Alternative zum Bulli?“ können z.T. wie folgt beantwortet werden:

Der Produktionsstandort des Crafter ist Posen/Pl., -hier werden Crafter zu Grand Californias. Der Qualitätsstandart ist hoch. Und, man ist endlich die leidvolle Zusammenarbeit mit Mercedes (Sprinter) los und kann eigenständig entscheiden.

Eine werkseitige Serienproduktion mit hohen Stückzahlen in einem Nachbarland mit niedrigeren Lohnkosten trägt zur Kosteneinsparung bei, die an den Endverbraucher weitergegeben werden können. Bardzo Dziekuje.

Ja, der Grand California ist durchaus eine Alternative zum Bulli, obwohl Fahrzeugmasse nicht immer unbedingt ein Vorteil ist (Alltagstauglichkeit).  

Der Grand California beinhaltet zahlreiche guten Ideen, die aber durchaus noch weiter entwickelbar sind. Insbesondere könnte man sich hierbei den Themen Verbesserung des Wohnbereiches wie Platzangebot oder ein Mehr an Wohnlichkeit und einer multifunktionaleren Schlafbereich-Lösung widmen. 

Dank an:

Auto Bach, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Limburg,                                                         dem California-Stützpunkt der Region

und dort speziell an Herrn Tobias Catalano für seine kompetente und freundliche Beratung

Fotos:

Gros, Ross, Klee und VW

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