Island T4 - 11

Man muss schon ein bischen verrückt sein, um mit einem getunten, tiefer gelegten T4 California mit Niederquerschnittsreifen und Spoilern nach Island zu fahren – das war mir schon klar. Aber genau so wurden wir dann auch wirklich angeschaut, als mein Kumpel Jan und ich im Sommer 2011 am Fähranleger der „Norröna“ (Smyril-Line) standen.

Eingereiht zwischen Expeditions-Defendern, G-Modellen, ausgemusterten Unimogs der Bundeswehr und übergroßen Tatras kamen wir uns da schon ein exotisch vor. „Die Fähre nach Norwegen fährt dahinten ab“ hieß es dann auch ab und zu mal aus den „höheren“ Fahrerhäusern nach „unten“ – ließ uns aber nur lächeln. Danke, aber wir wissen was wir tun.

Island T4 - 01Nach einem 2-tages Abstecher auf die Färöerinseln – die übrigens ein nahezu schlaglochloses, aalglattes Straßennetz haben und sich somit hervorragend für unsere Autospezies eignen – kamen wir in Seydisfjördur im Osten Islands an.

Und natürlich war auch dem Zoll unser Bus aufgefallen und wir durften erstmal in die Halle zur Kontrolle, die dann aber ohne Beanstandungen und nur mit interessierten Blicken vonstatten ging.

Endlich konnte es losgehen. Island lag vor uns.

 

Im Uhrzeigersinn ging es entlang der Ringstraße und den daran aufgereihten Sehenswürdigkeiten hindurch – wohlwissentlich, dass wir uns aufgrund unseres Gefährts nicht zu weit ins Hinterland wagen können. Trotzdem hatten wir uns diverse Abstecher genau da hin vorgenommen…

Island T4 - 02

Der erste Härtetest war die Stichstraße (F 218) zum isländischen Südkap (Dyrhólaey), der viele Kilometer lang und nur aus grobem Schotter bestand. Neben den spitzen Lava-Steinen, die keine Reifenflanke unbeeindruckt lassen würden, waren auch Schlaglöcher und Spurrillen unsere natürlichen Feinde. Dank Mut und fahrerischem Geschick kamen wir trotz der Bodenfreiheit von immerhin 12 cm aber heile hin und wieder zurück. Das war ja noch mal gut gegangen.

Island T4 - 03

Das Highlight war dann aber die Fahrt von der Ringstraße („die 1“) über die 26 und dann insbesondere über die Piste „Landmannaleid“ bis Landmannalaugar. Der berühmte Ort für Wanderer liegt schon im isländischen Hochland und ist nur über eine gut 30km lange Piste erreichbar. Die Bezeichnung Piste trägt die Strecke zu Recht: Schon nach wenigen Kilometern hört die Befestigung auf und der Ritt durch die Wildnis beginnt. Teilweise durch hügelige, dann wieder durch ewig weite Steinwüstenabschnitte geht es durch eine atemberaubende Landschaft ins Hochland hinein. Die Piste ist zwar meist recht breit, so dass Gegenverkehr kein Problem darstellt, aber der in weiten Teilen gibt es das befürchtete Wellblech-/Waschbrettmuster. Da bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder unterkritisch mit 5-6km/h befahren und jede Rille spüren – oder überkritisch mit 50km/h „drübergleiten“. Wie entschlossen uns für die zweite Variante. Der Beifahrer gucke in die Ferne, um große Steine möglichst früh erkennen zu können, der Fahrer schaute nur 5-10 m vor das Auto zum Feintuning.

Island T4 - 10

Manchmal stockte uns der Atem, wenn man nicht mehr ausweichen konnte und es nur noch ein „möglichst mittig und drüber“ gab. Denn plötzliches Bremsen oder gar Lenkbewegungen waren bei dieser Fahrweise und Geschwindigkeit gar nicht möglich. Das führte dann auch dazu, dass wir auf unserem „Ritt“ (die Bezeichnung ist durchaus treffend) einen kleinen Offroader überholt haben, der für unsere überkritische Fahrweise einfach zu langsam unterwegs war. Ich sehe noch heute die entgeisterten Blicke, als er von uns im tiefergelegten T4 flott überholt wurde… herrlich.

Tiefenentspannt waren wir aber auch nicht und so haben wir auf der Strecke gleich eine ganze Packung Pistazien aufgeknabbert, um die Nerven zu beruhigen.
Im Bus war eine Geräuschkulisse als ob der er jeden Moment auseinanderbrechen würde: Das Armaturenbrett rappelte wie verrückt und man konnte die heißen Stoßdämpfer förmlich spüren. Von den Geräuschen der Sitze und Schränke gar nicht zu sprechen. Wir zogen eine kilometerweit sichtbare Staubwolke hinter uns her, die so fein war, dass wir noch Tage später Staub aus Ohren und Nase ziehen konnten. Selbst heute hat der Bus noch Ablagerungen in schlecht zugänglichen Stellen.
Kurz vor unserem Ziel, etwa 300m vor Landmannalaugar, kamen der Bus und wir dann allerdings doch noch an unsere Grenzen: Eine gut halben Meter tiefe und recht breite Doppelfurt durch einen Fluss wollte ich ihm dann doch nicht geben. Wer weiß schon welche Steine im Flussbett liegen und was die Standheizung unterm Bus zu sowas sagt. Von dem Temperaturschock für die Ölwanne und Motor ganz zu schweigen. Also parkten wir vor der Furt und erkundeten das Ort und die berühmten warmen Quellen von dort aus.
Die Rückfahrt verlief sehr ähnlich. Wir wurden sogar von Urlaubern, die sich mit einem „Normalo-T5“ hin getraut hatten bewundert und gefilmt.

Auch in der Hauptstadt Reykjavik hatten wir aufgrund unseres Bullis eine hohe Aufmerksamkeit und wurden noch an der Ampel von anderen Autofahrern angesprochen, dass sie so einen tiefer gelegten Wagen noch nie auf Island gesehen hätten und lachten – es aber sehr cool fanden. Wir übrigens auch.

Weiter der Ringstraße folgend gab es natürlich neben weiteren touristischen Highlights weitere interessante zu bewältigende Strecken. Auf einer Piste haben wir einen T5 mit Seikelfahrwerk einfach so stehen lassen. Auch der Weg über die F 864 zum Dettifossen und zurück war eine Erfahrung wert. Hier war die Straße so holprig, dass wir über 20 km fast wirklich nur Schrittgeschwindigkeit fahren konnten und ich die Zeit genutzt habe ein bischen neben dem Bus herzulaufen.

Island T4 - 17

In den zwei Wochen vor Ort haben wir die gesamte Insel umrundet und dabei bestimmt 80% der sehenswerten Touristenziele erreichen können. Eis, Vulkane, Geysire, warme Quellen, Berge und Wüsten – eben alles was dazu gehört. Nicht immer waren die Straßen so übel wie nach Landmannalaugar, aber genau das machte ja auch mal den Reiz aus.

Mit dem eigenen Auto /Camper auf Island ist auch heute noch was Besonderes – und mit dem Umbau auch einzigartig – denn offroad und höher, größer, stabiler hat da sowieso jeder.

Interessant waren auch noch die Begegnungen mit richtigen, isländischen Offroadern – da sehen selbst Unimogs wie Spielzeug aus.

Island T4 - 13

Insgesamt war es ein riesen Spaß und ein fantastischer Urlaub. Bus und Fahrer haben alles gut überstanden. Der Lack hat 3-4 Steinschläge abbekommen und auf der Rückfahrt hat sich in Dänemark ein Kühlwasserschlauch aufgescheuert. Ansonsten gab es keine nennenswerten Verluste.
Island T4 - 06Gold wert waren aber die selbstgebauten Spritzlappen in den Radläufen, die ein Sandstrahlen des Lacks verhindert haben und nach der Tour auch nur noch halb so dick waren. Stoßdämpfer, Rahmen und andere Teile blieben intakt und versehen weiter ihren Dienst. Nicht benötigt haben wir auch unseren Ersatzreifen und den zusätzlichen Niederquerschnittsreifen, den ich vorsorglich dabei hatte. Auch das Reifenreparaturkit und der Luftkompressor blieben eingepackt.

Gut hat meinem Bus die Tour sicherlich nicht getan, das weiß ich auch – aber es war eine fantastische Erfahrung. Bei der nächsten Tour gibt´s aber trotzdem nen höhergelegten Syncro – um auch die übrigen Ecken Islands noch kennenzulernen.

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2 thoughts on “Im tiefergelegten T4 durch Island

  • 23. Juni 2015 at 19:29
    Permalink

    Hallo Marc, danke für deinen Kommentar. Wenn du dich im Kontaktformular eingetragen hast, müsstest du eigentlich den Newsletter monatlich erhalten. Wenn da was nicht hingehauen hat, nenn mir doch noch mal bitte deine Mailadresse, dann prüfe ich das gerne nach was da los ist.
    Ansonsten bist du natürlich auch sehr herzlich eingeladen zu unseren monatlichen Clubabenden – wir sind unkompliziert und beißen nicht, würd uns freuen, wenn du mal dabei bist – natürlich sehr gerne in Begleitung deines Busses 🙂
    VG, Christoph

  • 23. Juni 2015 at 14:18
    Permalink

    Toller Bericht !! Ich hatte Euch auch mal über das Kontaktformular kontaktiert, aber ohne AW. Würde mich freuen, mal von Euch zu hören. Danke !

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